Jewellery · Gold und Feingehalt

333, 585, 750: Was der Stempel im Gold verrät

Drei Ziffern im Ring entscheiden über Farbe, Haltbarkeit, Verträglichkeit und Materialwert. Wie Sie Punzen lesen und was sie nicht verraten.

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Sie drehen einen geerbten Ring ins Licht. Auf der Innenseite stehen drei winzige Ziffern, 585, daneben ein Zeichen, das Sie nicht zuordnen können. Ist das viel Gold oder wenig? Hält der Ring den Alltag aus, verträgt ihn Ihre Haut, und was wäre er wert, wenn Sie ihn verkaufen? Vieles verrät diese Zahl, manches nicht.

Tausendteile und Karat

Der Stempel nennt den Feingehalt: wie viele von 1.000 Gewichtsteilen reines Gold sind. 585 bedeutet 585 Teile Feingold; die übrigen 415 Teile sind andere Metalle wie Silber, Kupfer, Zink, Palladium oder Nickel. Die ältere Angabe in Karat teilt dasselbe Verhältnis in 24 Teile: 24 Karat sind reines Gold, 18 Karat entsprechen 750 Tausendteilen. Die Umrechnung ist einfach: Tausendteile mal 24, geteilt durch 1.000. Rechnerisch ergeben 14 Karat 583,3 Tausendteile; gestempelt wird meist 585, teils auch 583.

8 Karat333
9 Karat375
14 Karat585
18 Karat750
21,6 Karat900
22 Karat916
24 Karat, Feingold999

Die niedrigen Feingehalte 333 und 375 enthalten nur ein Drittel beziehungsweise drei Achtel Gold und entsprechend viel andere Metalle. 585 und 750 sind die klassischen Feingehalte für Schmuck. 900 und 916 begegnen Ihnen vor allem bei Münzen: Das Umsatzsteuergesetz zählt Goldmünzen ab 900 Tausendteilen, die nach 1800 geprägt wurden und gesetzliches Zahlungsmittel sind oder waren, unter weiteren Bedingungen zum Anlagegold. 999 steht für Feingold, das für Ringe im Alltag sehr weich ist.

Was der Stempel rechtlich bedeutet

In Deutschland regelt das Gesetz über den Feingehalt der Gold- und Silberwaren von 1884 die Angabe. Gold darf in jedem Feingehalt verarbeitet werden. Wer den Feingehalt auf Schmuck angibt, muss ihn in Tausendteilen nennen; als Fehlergrenze erlaubt das Gesetz höchstens zehn Tausendteile, gemessen am vollständig eingeschmolzenen Stück. Für goldene Geräte wie Bestecke oder Tafelgeräte gilt ein Mindestfeingehalt von 585. Für die Richtigkeit der Angabe haftet der Verkäufer. Importware, deren Feingehaltsbezeichnung nicht den deutschen Vorgaben entspricht, darf nur angeboten werden, wenn sie zusätzlich nach dem Gesetz gestempelt ist.

Eine amtliche Prüfung vor dem Verkauf sieht das deutsche Recht nicht vor, und Deutschland gehört nicht zu den 22 Vertragsstaaten der Wiener Punzierungskonvention. Deren gemeinsames Kontrollzeichen (für Gold eine Waage über zwei sich schneidenden Kreisen) setzt zusätzlich eine Feingehaltsangabe voraus. In Großbritannien wiederum müssen Goldwaren für den Inlandsmarkt grundsätzlich amtlich punziert sein. Ein Hersteller- oder Verantwortlichkeitszeichen verlangt das Feingehaltsgesetz für Schmuck nicht, viele Stücke tragen es dennoch. Der Stempel ist hierzulande also eine Erklärung von Hersteller oder Händler, kein amtliches Siegel. Bei einem unbekannten Stück schafft eine fachkundige Prüfung Gewissheit, etwa per Röntgenfluoreszenzanalyse.

Farbe, Härte und Alltag

Die Farbe bestimmen die Begleitmetalle. Gelbgold wird typischerweise mit Silber und Kupfer legiert; der World Gold Council nennt für 18 Karat als Beispiel 15 Prozent Silber und 10 Prozent Kupfer. Rosé- und Rotgold erhalten ihren warmen Ton durch einen höheren Kupferanteil. Weißgold entsteht mit weißen Metallen wie Palladium oder Nickel. Meist wird es zusätzlich rhodiniert: Eine Schicht Rhodium sorgt für ein kühles Weiß, mehr Glanz und eine härtere Oberfläche. Sie nutzt sich mit der Zeit ab, der Ring wirkt dann wärmer im Ton. Eine neue Rhodinierung beim Goldschmied stellt das Weiß wieder her.

Reines Gold ist weich und nimmt Kratzer und Dellen leicht an; erst die Legierung macht es widerstandsfähig. Das GIA hält 14- und 18-karätiges Gold für den Alltag für geeignet. 750 bietet den satteren Ton und mehr Edelmetall, 585 enthält mehr Legierungsmetalle. Bei sehr niedrigen Feingehalten wie 333 ist der Anteil unedler Metalle so hoch, dass die Oberfläche eher anlaufen kann. Wie widerstandsfähig ein Stück ist, hängt aber auch von Legierung und Verarbeitung ab, nicht vom Stempel allein.

Nickel, Kupfer und die Haut

Nickel ist nach dem Bundesinstitut für Risikobewertung das Kontaktallergen mit der höchsten Sensibilisierungsrate; etwa zehn Prozent aller Kinder sind bereits sensibilisiert. Weißgold kann Nickel enthalten, und das GIA rät Menschen mit Nickelallergie, solche Legierungen zu meiden. Wer auf Kupfer reagiert, sollte auch bei Gelb- und Roségold nachfragen.

In der EU begrenzt die Chemikalienverordnung REACH die Nickelabgabe von Erzeugnissen, die unmittelbar und länger mit der Haut in Berührung kommen, auf 0,5 µg pro Quadratzentimeter und Woche; für Stecker in durchstochenen Körperstellen wie Ohrlöchern gelten 0,2 µg. Ein Grenzwert ist allerdings kein Nickelverbot, und nicht jedes Stück hält ihn ein: Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit beanstandete 2021/2022 vier von 27 online bestellten Proben von Schmuck und Armbanduhren wegen zu hoher Nickelabgabe. Vor dem Kauf hilft ein kurzer Abgleich:

  • Feingehalt: in Tausendteilen auf dem Stück und auf der Rechnung.
  • Weißgold: Legierung erfragen (mit Palladium oder mit Nickel) und ob das Stück rhodiniert ist.
  • Gewicht: in Gramm notieren lassen; es ist die Grundlage jeder Wertberechnung.
  • Ohrschmuck: bei empfindlicher Haut besonders auf nickelfreie Stecker achten.
  • Importware: prüfen, ob neben einer Karatangabe auch Tausendteile gestempelt sind.

Materialwert ist nicht Verkaufspreis

Der Materialwert lässt sich genau berechnen: Gewicht mal Feingehalt mal Goldpreis. Ein Ring mit 6 Gramm in 585 enthält 6 × 0,585 = 3,51 Gramm Feingold. Der Verkaufspreis eines Schmuckstücks liegt in aller Regel darüber, denn er umfasst auch Entwurf, Handwerk, Steine, Handelsspanne und Umsatzsteuer. Goldschmuck unterliegt dem regulären Steuersatz von 19 Prozent; steuerfrei ist nach § 25c UStG nur Anlagegold, etwa Barren ab 995 Tausendteilen. Umgekehrt orientieren sich Ankaufspreise für Altgold am Feingoldgehalt, abzüglich der Kosten für Prüfung und Scheidung. Wer verkauft, sollte deshalb den eigenen Feingoldgehalt kennen und Angebote vergleichen. Eine Anlageempfehlung ist das nicht: Schmuck kauft man zuerst, um ihn zu tragen.

Lesen Sie Stempel mit einer Lupe in zehnfacher Vergrößerung und fotografieren Sie sie für Ihre Unterlagen. Finden Sie nur eine Karatangabe wie „18K“, rechnen Sie um: 18 geteilt durch 24 ergibt 750 Tausendteile.

Die Erkenntnis: Der Stempel verrät, wie viel Gold ein Stück enthält, aber nicht, wie gut es gemacht ist, wie es Ihrer Haut bekommt oder was ein Händler dafür zahlt. Diese Fragen beantworten Legierung, Verarbeitung und Gewicht. Was in Ihrem Ring steckt, rechnet der Goldwert-Rechner aus Gewicht und Stempel aus. Wie sich Weißgold neben Platin und Palladium am Finger schlägt, zeigt der Beitrag Platin, Weißgold, Palladium; Begriffe von Feingehalt bis Rhodinierung erklärt das Glossar.

Goldwert-RechnerGewicht und Stempel eingeben, Feingold und Materialwert sehen.

Häufige Fragen

Ist 333er Gold echtes Gold?

Es ist eine Goldlegierung mit einem Drittel Feingold. Das Feingehaltsgesetz erlaubt, Schmuck in jedem Feingehalt herzustellen und zu stempeln, sofern die Angabe in Tausendteilen erfolgt und stimmt. Wegen des hohen Anteils anderer Metalle kann 333er Gold eher anlaufen als höhere Legierungen.

Warum wird mein Weißgoldring gelblich?

Meist hat sich die Rhodiumschicht abgenutzt, und der wärmere Ton der Legierung darunter wird sichtbar. Ein Goldschmied kann den Ring neu rhodinieren.

Ist 750er Gold besser als 585er?

750 enthält mehr Feingold, hat einen satteren Ton und einen höheren Materialwert; 585 enthält mehr Legierungsmetalle. Beide gelten nach dem GIA als alltagstauglich. Entscheidend sind Ihr Geschmack, Ihre Haut und die Verarbeitung.