Luxury Goods · Nüchtern gerechnet

Kosten pro Tragen: Wie man Luxus nüchtern rechnet

Eine Uhr für jeden Tag, eine Tasche für wenige Abende: Was ein Stück wirklich kostet, zeigt erst die Rechnung über seine gesamte Nutzung. Auch sie hat ihre Grenzen.

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Zwei Stücke liegen nebeneinander: eine schlichte Uhr, die Sie jeden Morgen anlegen würden, und eine Abendtasche für wenige Abende im Jahr. Die Preisschilder verraten wenig darüber, welches Sie am Ende teurer zu stehen kommt. Aufschlussreicher ist eine andere Frage: Was kostet jeder Tag, an dem Sie das Stück tatsächlich tragen?

Die Formel

Die Kennzahl Kosten pro Tragen verteilt die tatsächlichen Gesamtkosten eines Stücks auf seine Nutzung. „Tatsächlich“ heißt: nicht nur der Kaufpreis, sondern auch das, was am Ende zurückfließt, und das, was unterwegs anfällt.

Kosten pro Tragen = (Anschaffungspreis − Wiederverkaufswert + laufende Kosten) ÷ Anzahl der Tragetage

  • Anschaffungspreis: der tatsächlich bezahlte Betrag, einschließlich Anpassungen wie dem Kürzen eines Armbands oder dem Ändern einer Ringgröße.
  • Wiederverkaufswert: eine vorsichtige Schätzung dessen, was Sie nach der geplanten Nutzungsdauer erlösen würden, abzüglich Gebühren und Aufwand. Wer nicht verkaufen will, setzt null an.
  • Laufende Kosten: Revisionen und Reparaturen, Pflege, Versicherung. Wann eine Uhr zum Service sollte, steht in den Herstellerangaben; Hintergründe liefert der Beitrag Uhren-Revision.
  • Tragetage: realistisch geschätzt, nicht erhofft. Der beste Anhaltspunkt ist, wie oft Sie vergleichbare Stücke heute tatsächlich tragen.

Die Versicherung wird dabei am häufigsten übersehen. Schmuck, Edelsteine und Gegenstände aus Gold oder Platin zählen in der Hausratversicherung zu den Wertsachen, die nur bis zu einer Grenze mitversichert sind. Nach Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft liegt diese Grenze meist bei etwa 20 Prozent der Versicherungssumme. Wer darüber hinaus absichern muss, zahlt laufend mehr, und diese Beträge gehören in die Rechnung.

Zwei Rechenbeispiele

Die folgenden Zahlen sind frei gewählt und bewusst gerundet. Sie stehen für kein bestimmtes Produkt und keine Marke, sondern zeigen nur, wie die Formel arbeitet.

Beispiel A, eine Uhr für den Alltag: Anschaffung 6.000 Euro, angenommener Wiederverkaufswert nach zehn Jahren 3.000 Euro, zwei Revisionen zu je 500 Euro, keine gesonderte Versicherung. Getragen wird sie an 200 Tagen im Jahr, also an 2.000 Tagen insgesamt. Rechnung: (6.000 − 3.000 + 1.000) ÷ 2.000 = 2,00 Euro pro Tragen.

Beispiel B, eine Abendtasche: Anschaffung 2.000 Euro, kein eingeplanter Wiederverkauf, Pflege 100 Euro. Ausgeführt wird sie an acht Abenden im Jahr, fünf Jahre lang, also 40-mal. Rechnung: (2.000 − 0 + 100) ÷ 40 = 52,50 Euro pro Tragen.

Das Stück mit dem niedrigeren Preis ist pro Einsatz also mehr als 26-mal so teuer. Über die Vernunft eines Kaufs entscheidet weniger der Preis als die Häufigkeit der Nutzung. Beispiel A zeigt zugleich, wie stark das Ergebnis vom angesetzten Wiederverkaufswert abhängt: Setzt man ihn auf null, steigen die Kosten von 2,00 auf 3,50 Euro pro Tragen.

(Preis − Wiederverkauf + laufende Kosten) ÷ TragetageFormel
2,00 € pro TragenBeispiel A (Uhr)
52,50 € pro TragenBeispiel B (Abendtasche)
meist ca. 20 % der VersicherungssummeWertsachen in der Hausrat

Wo die Kennzahl an Grenzen stößt

  • Opportunitätskosten: Geld, das in einem Stück gebunden ist, steht für nichts anderes zur Verfügung. Diesen Verzicht bildet die Formel nicht ab.
  • Unsicherer Wiederverkauf: Preise auf dem Zweitmarkt hängen von Modell, Zustand, Vollständigkeit und Marktlage ab. Ein angesetzter Wiederverkaufswert ist eine Annahme, keine Zusage und erst recht kein Versprechen einer Wertsteigerung. Einordnung bietet der Beitrag Luxusmarkt in Zahlen.
  • Freude lässt sich nicht teilen: Manche Stücke, etwa ein Ring zur Hochzeit oder eine Uhr zu einem besonderen Anlass, haben einen Wert, der mit der Zahl der Tragetage nichts zu tun hat.
  • Qualität verändert die Rechnung: Ein gut verarbeitetes Stück lässt sich pflegen und reparieren und bleibt länger in Gebrauch. Woran man das bei Leder erkennt, zeigt Lederwaren: Woran man Qualität erkennt.

Die Kennzahl ersetzt das eigene Urteil nicht, sie schärft es. Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung.

Mentale Konten: warum wir anders rechnen

Dass Menschen Geld nicht so neutral behandeln, wie es die klassische Ökonomie annimmt, hat Richard Thaler in zahlreichen Arbeiten gezeigt; 2017 erhielt er dafür den Wirtschaftsnobelpreis. Seine Theorie des Mental Accounting beschreibt, wie Menschen finanzielle Entscheidungen vereinfachen, indem sie im Kopf getrennte Konten anlegen. Geld, das gedanklich einem dieser Konten zugeordnet ist, lässt sich nur schwer auf ein anderes übertragen.

Thaler beschrieb außerdem den Transaktionsnutzen: Ein Kauf wird nicht nur nach dem Nutzen der Sache bewertet, sondern auch nach dem Geschäft selbst, also nach dem Preis im Vergleich zu einem Referenzpreis. Ein vermeintliches Schnäppchen kann sich deshalb lohnend anfühlen, bevor die Frage nach der Nutzung überhaupt gestellt ist.

Zwei weitere Befunde betreffen die Kennzahl unmittelbar. John Gourville und Dilip Soman fanden 1998 in Experimenten Belege dafür, dass sich Menschen mit der Zeit an eine früher geleistete Zahlung gewöhnen und ihr Einfluss auf spätere Entscheidungen nachlässt. Sie nannten das Payment Depreciation. Der Gedanke „Es war so teuer, ich muss es tragen“ verliert also mit den Jahren an Kraft, ganz gleich, ob sich das Stück bewährt hat oder nicht. Gourville untersuchte zudem, wie es wirkt, wenn ein Preis in kleine Tagesbeträge umgerechnet wird. Diese „Pennies-a-Day“-Darstellung erhöhte in seinen Studien über verschiedene Produktkategorien hinweg die Bereitschaft, einem Kauf zuzustimmen.

Genau hier liegt die Ehrlichkeitsprobe: Kosten pro Tragen sind ebenfalls eine solche Umrechnung. Richtig eingesetzt, macht die Kennzahl Gesamtkosten sichtbar. Falsch eingesetzt, wird sie zum Argument, das einen längst gefassten Wunsch nachträglich rechtfertigt. Rechnen Sie deshalb mit vorsichtigen Annahmen, und zwar bevor Sie sich entschieden haben, nicht danach.

Checkliste vor dem Kauf

  • Wie oft würde ich das Stück realistisch tragen, und wie oft trage ich vergleichbare Stücke heute?
  • Passt es zu Kleidung, Alltag und Anlässen, die ich tatsächlich habe?
  • Welche laufenden Kosten fallen an: Revision, Pflege, Reparatur, Versicherung?
  • Reicht die Wertsachengrenze meiner Hausratversicherung, oder brauche ich eine Ergänzung?
  • Mit welchem Wiederverkaufswert rechne ich, und überzeugt die Rechnung auch, wenn er bei null liegt?
  • Bewahre ich Rechnung und Papiere auf? Worauf Käufer auf dem Zweitmarkt achten, steht in Pre-owned kaufen.
  • Würde ich das Stück auch zum regulären Preis kaufen?

Rechnen Sie jede größere Anschaffung zweimal: einmal mit Ihrem geschätzten Wiederverkaufswert und einmal mit null. Überzeugt das Stück auch im zweiten Fall, kaufen Sie es aus den richtigen Gründen.

Die Erkenntnis: Bei Luxus entscheidet nicht der Preis allein über die Vernunft eines Kaufs, sondern vor allem die ehrlich geschätzte Nutzung. Zwei Stücke im direkten Vergleich rechnet der folgende Rechner durch; laufende Kosten schlagen Sie einfach dem Preis zu.

Kosten pro TragenWas ein Stück je Tragen wirklich kostet, im direkten Vergleich.

Häufige Fragen

Was gehört zu den laufenden Kosten?

Alles, was nötig ist, damit das Stück nutzbar bleibt: Revisionen und Reparaturen, Pflegemittel, Anpassungen sowie Versicherungsbeiträge, soweit das Stück nicht ausreichend über die Hausratversicherung abgedeckt ist.

Sollte ich mit einem Wiederverkaufswert rechnen?

Nur vorsichtig und nur, wenn Sie einen Verkauf tatsächlich in Betracht ziehen. Preise auf dem Zweitmarkt sind unsicher. Stellen Sie die Rechnung zur Probe immer auch mit einem Wiederverkaufswert von null auf.

Sind niedrige Kosten pro Tragen ein gutes Kaufargument?

Sie sind ein Hinweis, kein Urteil. Die Kennzahl blendet Opportunitätskosten aus, und die Forschung zur Umrechnung von Preisen in kleine Beträge zeigt, dass solche Darstellungen eine Ausgabe zugänglicher wirken lassen können.